20.–21. April 2026
Landwirtschaft auf dem Weg zum klimaneutralen Deutschland(?)
Deutschland will innerhalb der nächsten 20 Jahre klimaneutral werden. Dieses ambitionierte Ziel kann nur erreicht werden, wenn unvermeidbare Emissionen kompensiert werden. Für die Landwirtschaft ergibt sich daraus die Verpflichtung, die Emissionen auf das wirklich Unvermeidbare zu reduzieren. Da die bisher im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung festgelegten Maßnahmen hierzu absehbar nicht ausreichen, besteht weiterhin Bedarf nach Ausweitung bisheriger Maßnahmen und Implementierung von zusätzlichen Maßnahmen ohne Leakage-Effekte. Ziel des Workshops ist es, Möglichkeiten hierzu zu identifizieren. Der Fokus liegt auf der Wirksamkeit von Maßnahmen, ihrer Implementierung und Skalierung auf größere Regionen und möglichst ganz Deutschland sowie auf Ansätzen für Monitoring und Quantifizierung der Maßnahmenwirksamkeit mit geringem Bürokratieaufwand für die landwirtschaftlichen Betriebe. Für den Workshop können Abstracts zu Beiträgen in den Bereichen Tierhaltung (bevorzugt zur Minderung von Methanemissionen), Pflanzenbau und Bodenkohlenstoff eingereicht werden.
Zeitplan
Einreichen von formatierten Abstracts (1 A4-Seite nach unserer Vorlage) bis 31. Januar 2026
Benachrichtigung über Annahme des Beitrags und Format bis Ende Februar 2026
Anmeldung zur Teilnahme ab 1. März 2026
Anmeldung zur Teilnahme bis 31. März 2026
Kostenbeitrag
Teilnahme mit Vortrag oder Poster: 100 €
Teilnahme ohne Vortrag oder Poster, Angehörige von Mitgliedseinrichtungen der DAFA: 100 €
Teilnahme ohne Vortrag oder Poster, Angehörige von Nicht-Mitgliedseinrichtungen der DAFA: 200 €
Programm
Erster Tag, 20. April 2026
(Änderungen vorbehalten)
| 12:00 | Ankommen |
| 13:00 | Eröffnung |
| 14:30 | Parallele Sessions |
| 16:30 | Podiumsdiskussion |
| 18:00 | Posterausstellung und Fortsetzung der Diskussionen; mit Imbiss |
Zweiter Tag, 21. April 2026
(Änderungen vorbehalten)
| 08:30 | Ankommen |
| 09:00 | Fortführung des Programms |
| 11:00 | Parallele Sessions |
| 12:30 | Abschluss |
| 13:00 | Ende |
Beschreibung der Sessions
1. Minderungsoptionen für Methanemissionen in der Landwirtschaft
Etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft stammen aus der Tierhaltung und davon ein Großteil aus im Zuge von Verdauungsprozessen gebildetem Methan. Der mengenmäßig größte Beitrag stammt von Wiederkäuern, doch auch andere Tierarten – wie Schweine, Pferde und Geflügel – tragen zu Methanemissionen bei. Verbreitete Minderungsoptionen sind häufig in Konflikt mit anderen Zielen der Tierhaltung. Auch kann es zu Zielkonflikten mit anderen Minderungsoptionen von Treibhausgasemissionen kommen, wie einem niedrigen Carbon Footprint der Fütterung. Zudem sind die langfristigen Auswirkungen solcher Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf physiologische Anpassungsprozesse, häufig noch unzureichend erforscht. Diese Session adressiert Minderungsoptionen von der Beeinflussung der Methanbildung bei allen relevanten Tierarten bis hin zur Bewertung von Zukunftsszenarien und setzt diese ins Verhältnis zu anderen Zielen.
2. Innovationen zur Steigerung der Effizienz und Reduzierung von Emissionen bei der Düngemittelverwendung
Seit der Novellierung der Düngeverordnung hat sich die Stickstoffnutzungseffizienz im Pflanzenbau erheblich verbessert und entsprechend sind die mit der Düngung zusammenhängenden Lachgasemissionen deutlich gesunken. Dadurch ist eine weitere Absenkung der Emissionen ohne Verringerung der Produktivität herausfordernd und die verbleibenden Minderungspotenziale sind unzureichend quantifiziert. Politisch diskutierte Maßnahmen umfassen so unterschiedliche Ansätze wie Präzisionslandwirtschaft, die Backweizeninitiative, den Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren oder auch die weitere Ausweitung des ökologischen Landbaus. Auch völlig neue Düngerarten, wie „biobased fertilizers“, sind in der Entwicklung und die Emissionen nach deren Anwendung bisher unzureichend bestimmt. Die Session will die verbleibenden Minderungspotenziale eingrenzen, Maßnahmen möglichst umfassend bewerten und mögliche Interaktionen mit anderen Zielen, wie Ernährungssicherung, Erhalt und Aufbau von Bodenkohlenstoff oder Vermeidung von Nitratauswaschung, diskutieren.
3. Potenzial der Kohlenstoffbindung im Boden, einschließlich mineralischer und organischer Böden sowie Grünland
Die Kohlenstoffvorräte in landwirtschaftlich genutzten Böden nehmen tendenziell ab. Pflanzenbauliche Maßnahmen zum Erhalt bzw. Aufbau von Humus sind vielerorts bereits umgesetzt oder unwirtschaftlich. Im Grünland fehlen flächendeckend wirksame Maßnahmen auf Mineralböden. Die Session sucht daher neue Ansätze für Carbon Farming auf Mineralböden, die bisher ungenutzte Potenziale für den Aufbau von Bodenkohlenstoff entdecken und mobilisieren. Dies schließt Ansätze wie Carbon Farming Pflug, vielfältige Kleegrassysteme, Beweidung und Systeme ein, die eine hohe unterirdische Biomasse produzieren.
Der landwirtschaftliche Moorschutz geht nur schleppend voran. Hier warten noch große ungenutzte Potenziale zur CO2-Minderung und -speicherung. Die Session verweist auf die parallelen Aktivitäten im PaludiNetz (https://www.paludizentrale.de/paludinetz) und fordert insbesondere Akteure außerhalb der bereits vernetzten großen Projekte zu Beiträgen auf.
4. Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in der Wirtschaft und Praxis
Klimaschutzmaßnahmen können die Effizienz von Verfahren steigern und in einigen Bereichen Kosten sparen. In den letzten Jahren sind verschiedene Initiativen zur Klimaschutzberatung auf landwirtschaftlichen Betrieben und zum regionalen Fachaustausch entstanden. Ziel der Session ist, bestehende Umsetzungsaktivitäten zu identifizieren und von ihnen zu lernen. Die Session richtet sich gezielt an Akteure der Wirtschaft, Beratung und Praxis, die Klimaschutzmaßnahmen aktiv fördern und umsetzen. Welche Maßnahmen wurden konkret umgesetzt? Wie werden die Erfolge dokumentiert? Welche Maßnahmen könnten einfach übernommen und in größerem Umfang umgesetzt werden? Die Beiträge können Maßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben und entlang der Wertschöpfungskette bis in den Lebensmitteleinzelhandel umfassen.
5. Treibhausgasmonitoring auf Produkt-, Betriebs- und Wertschöpfungskettenebene
Carbon Footprints bzw. der sogenannten CO₂-Fußabdruck gewinnt an Bedeutung, da Unternehmen ihre Emissionen melden und reduzieren müssen. Hier spielen die Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen eine Rolle, die jeweils die eigenen, die energiebedingten Emissionen sowie die vor- und nachgelagerten Emissionen umfassen. Um die carbon footprints für Produkte von landwirtschaftlichen Betrieben zu berechnen, die dann als Scope-3-Emissionen in der Ernährungsindustrie (u.a. Molkereien, Bäckereien, Lebensmitteleinzelhandel), müssen die gesamten einzelbetrieblichen Emissionen eines Betriebes auf die Produkte aufgeteilt werden.
6. Nationales THG-Monitoring
Die nationalen Emissionsinventare sind die Zahlenbasis, auf deren Grundlage entschieden wird, ob die nationalen Minderungsziele erreicht wurden. Es ist daher notwendig, dass umgesetzte Minderungsmaßnahmen auch abgebildet werden können. Dies erfordert einerseits das Vorhandensein von wissenschaftsbasierten Berechnungsansätzen, die ausreichend differenziert sind, und anderseits müssen Datengrundlagen zur landwirtschaftlichen Praxis vorhanden sein, die die Umsetzung der Maßnahmen widerspiegeln. Themen der Session sind Ansätze und Proxys für ein bürokratiearmes Maßnahmenmonitoring und die Verifizierung von Maßnahmenwirkungen.
7. Szenarien für ein klimaneutrales Deutschland (Rolle Landwirtschaft und Landnutzung, Ernährung)
Deutschland hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden und dies auch im Klimaschutzgesetz verankert. Um dies zu erreichen, sind massive Reduktionen der Emissionen in allen Sektoren erforderlich. Was dies für die Landwirtschaft bedeutet, welche Pfade und Szenarien denkbar sind und umsetzbar wären, und was dies für weitere Maßnahmen und Politikinstrumente bedeutet, ist Fokus dieser Session. Um die Ziele der Klimaneutralität zu unterstützen ist eine Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme notwendig, ökologische, soziale und ökonomische Herausforderungen adressiert. Diese Herausforderungen und Auswirkungen können an verschiedenen Szenarien bis 2045 diskutiert werden.
Veranstaltungsort
[unter Vorbehalt]
Tagungswerk
Lindenstraße 85
10969 Berlin

