Fachforum Leguminosen

Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft – Ökosystemleistungen von Leguminosen wettbewerbsfähig machen

Mit den DAFA-Forschungsstrategien zu Leguminosen (2012, 2024) wird das Ziel verfolgt, Ökosystemleistungen von Leguminosen wettbewerbsfähig zu machen. Viele wichtige Ökosystemleistungen (u.a. Stickstofffixierung, Bodenfruchtbarkeit) können am besten durch den heimischen Anbau von Leguminosen bereit gestellt werden. Mit einem wettbewerbsfähigen Leguminosenanbau soll ein nachhaltiger Ackerbau langfristig gesichert und eine gesunde Ernährung gewährleistet werden.

Dazu müssen Forschungsbemühungen systemisch konzipiert werden und deshalb kohärente Forschungsfragen aufgreifen, damit die Leguminosen am Markt mittelfristig eine selbsttragende Wettbewerbsfähigkeit entwickeln können. Sechs strategische Aufgabenfelder sind dabei von besonderer Bedeutung.

  • In Prebreeding investieren
  • Produktivitätspotenziale ausschöpfen
  • Ökosystemleistungen für landwirtschaftliche Betriebe und die Gesellschaft bewerten
  • Regionale Chancen zur Entwicklung von Wertschöpfungsketten aktivieren
  • Barrieren für eine stärkere Nutzung als Futtermittel aufheben
  • Ernährungskonzepte zur Ausschöpfung der Gesundheitswirkungen entwickeln

Für diese Aufgabenfelder nennt die Leguminosenstrategie (2012) sechs spezifische Forschungsfelder und gibt konzeptionelle Empfehlungen für die Forschungsförderung.

Mischanbau mit Leguminosen kann die Leguminosenproduktion noch einmal erheblich erweitert werden. Dazu besthene folgende Entwicklungspfade mitr zunehmender Spezialisierung:

  • „Klassischer Mischanbau“ mit vorhandener Technik und vorhandenen Sorten, Ernte nur eines Partners oder Trennung der Partner nach der Ernte
  • „Angepasster Mischanbau“ mit angepasster Technik und angepassten Sorten, Tren-nung der Partner bei oder unmittelbar nach der Ernte
  • „Angepasster Mischanbau mit Gemischverwertung“ mit angepasster Technik und an-gepassten Sorten, gemeinsamer Ernte und Verwertung des Gemisches (keine Trennung).

Erfahrungen im In- und Ausland zeigen, dass Mischanbau mit Leguminosen in vielen Fällen und unter den passenden Bedingungen gleichzeitig ökonomische und ökologische Vorteile gegenüber Reinkulturen bieten kann. Geschickt aufgestellte Forschungsprogramme, deren Elemente in der Mischanbaustrategie (2024) beschrieben werden, können dazu beitragen, diese Vorteile auf einer deutlich größeren Fläche als bisher zu erzielen.

Eiweißpflanzenstrategie des Bundes

Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes (erste Auflage 2012) nimmt wesentliche Punkte der DAFA-Strategie auf.

Die Geschäftsstelle Eiweißpflanzenstrategie beim Projektträger BLE war zuständig für die Koordination und Umsetzung der BMEL-Eiweißpflanzenstrategie in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Etablierung von modellhaften Demonstrationsnetzwerken, Wissenstransfer und Beratung des BMEL. Seit 2024 führt das Kompetenzzentrum „Proteine der Zukunft“ die Aufgaben fort.

Aktuelle Arbeitsphase: Nachverfolgung

Stand: November 2025

Die Wirkung der beiden Forschungsstrategien wird in den nächsten Jahren von der Geschäftsstelle der DAFA und Prof. Dr. Moritz Reckling (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, ZALF) beobachtet, um den Mitgliedern der DAFA vorzuschlagen, welche Themen zukünftig angesprochen werden sollten.

Modellhafte Demonstrationsnetzwerke

Hintergrund und Entwicklung

Die Kerngruppe der Initiatoren, Prof. Maria Finckh, Prof. Jürgen Heß und Dr. Peter Wehling, zusammen mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern richteten in Abstimmung mit dem DAFA-Vorstand eine Veranstaltung am 27./28. Juni 2011 aus. Die versammelten Wissenschaftler, Vertreter von Unternehmen und Verbänden waren sich einig: Die verstärkte Nutzung von Leguminosen wäre ein Beitrag zur Lösung gleich mehrerer großer Probleme in Landwirtschaft und Ernährung. Das Ziel der Veranstaltung war es, den Grundstein für lösungsorientierte Forschungsansätze und Konsortien zu legen, um das Potenzial der Leguminosen für die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft optimal auszuschöpfen.

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Agrar- und Ernährungsbereich haben mögliche Lösungsstrategien diskutiert und eine Fokussierung auf Forschungslinien erarbeitet. Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit den Initiatoren die Themenfelder fachlich untersetzt, aufbereitet und ausformuliert. Diese mit der Community aufbereiteten Ergebnisse kommuniziert die DAFA an Politik und Forschungsförderer, damit der Impuls aus der Veranstaltung und der Erarbeitung der Strategie zur notwendigen Forschung genutzt und deren Umsetzung vorangetrieben werden kann.

Die erste Forschungsstrategie zum Leguminosenanbau wurde 2012 veröffentlicht.  Mischfruchtanbau mit Leguminosen kann den Ausbau der Anbaufläche mit Leguminosen und die damit verbundenen Vorteile für Produktionssicherheit und Biodiversität verstärken. Ein Online-Workshop vom 29. bis 30.03.2022 gab Impulse, wie Forschung den Mischfruchtanbau unterstützen kann. Unter Berücksichtigung weiterer Beiträge der DAFA-Mitgliedern formulierte die Steuerungsgruppe des Fachforums daraus eine Forschungsstrategie, die im Juli 2024 veröffentlicht wurde. Auf dem 2. Nationalen Leguminosenkongress wurde sie vorgestellt.

Steuerungsgruppe

  • Prof. Dr. Maria Finckh, Universität Kassel
  • Dr. Peter Wehling, Julius-Kühn-Institut (bis 2021)
  • Prof. Dr. Jürgen Hess, Universität Kassel (bis 2019)
  • Prof. Dr. Knut Schmidtke, Hochschule für Wirtschaft und Technik Dresden (ab 2019)
  • Dr. Brigitte Köhler, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (ab 2021)
  • Prof. Dr. Marcus Mergenthaler, Fachhochschule Südwestfalen(ab 2021)
  • Dr. Moritz Reckling, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ab 2022)
  • Dr. Robert Schätzl, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (2021 bis 2022)
  • Gast: Dr. Annegret Groß-Spangenberg, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Steuerungsgruppe 2024

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